"Du kannst so rasch sinken, daß du zu fliegen meinst."
Marie von Ebner-Eschenbach

Verflucht II

Wer nach dem ersten Teil dieser Geschichte noch nicht daran glaubte das mit der auf dem Namen “Sunderban” getauften Boeing 747-400 der Fluggesellschaft Air India schlechtes Karma mitfliegt, wird spätestens mit dieser Story eines Besseren belehrt: Knapp eine Woche nach dem ersten Horrorflug, kam es wieder zu Zwischenfällen – diesmal der menschlichen Art.

Die Boeing 747-400 landete nach einem knapp zehnstündigen Flug mit einer Stunde Verspätung in Frankfurt – die Stimmung ist gut. Diese kippte aber schnell, als in Frankfurt zwei betrunkene Inder die Unglücksmaschine betraten und in dem völlig ausgebuchten Flugzeug zu ihren Sitzplätzen torkelten. Dort angekommen legten sie auch gleich los: Während der eine zwei neben sich sitzende Italienerinnen an den Busen faßte und sich erkundigte, ob die beiden Sex mit ihm wollten – packte der andere einen weiteren Fluggast am Kragen und schüttelte diesen durch.

Die von der Flugcrew herbeigerufenen Frankfurter Polizeibeamten ermahnten die beiden Männer zur Ordnung. Da im Flugzeug der Flugkapitän das Hausrecht besitzt, lag es nicht in der Entscheidung der Beamten die Männer zu entfernen. Insgesamt herrschte Verwirrung um den Umgang mit den beiden Betrunkenen: Teile der Crew glaubten, das die Männer ausschließlich von Air-India Managern von Bord verwiesen werden können, während sich der Flugkapitän K. Mehra nicht einmal aus seinem Cockpit bequemte um die Sache zu klären.

Ein Mitreisender – aus Punjab stammend – erkannte die beiden Männer und verspricht dafür zu sorgen, das diese sich ab sofort benehmen werden. Offenbar hat er sich dabei aber etwas übernommen, denn noch während das Flugzeug zur Startbahn rollte kam es zu weiteren sexuellen Übergriffen. Ziel der Übergriffe waren diesmal die Stewardessen und nachdem sich mehrere Flugpassagiere beschwerten, wurde der Start abgebrochen und die 747-400 rollte zum Terminal zurück. Sechs Polizisten stürmen das Flugzeug, verhaften die beiden Männern und führen sie in Handschellen von Bord.

Die Stimmung ist – wieder – gut und das obwohl sich der Start deutlich verzögerte: Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen mußten erst die Gepäckstücke der beiden entfernten Personen ausgeladen werden.  Einige Stunden nach dem Start aus Frankfurt und sehr viel konsumierten Alkohol begannen einige Fluggäste miteinander zu streiten – Zitat einer Stewardess: “Manche Passagiere haben nichts aus dem Vorfall gelernt. Sie betrinken sich wie verrückt und machen uns das Leben zur Hölle.”. Das ganze artet derart aus, das sich der Pilot genötigt sah bei den Fluggästen zu erscheinen und beruhigend auf sie einzuwirken.

Damit aber nicht genug: Knapp eine Stunde vor der Landung in New Dehli, kündigte der Pilot an das man aufgrund von Smog und schlechten Sichtverhältnissen nicht landen kann und in das 1000 km entfernte Bombay ausweichen muß.  Dort angekommen nimmt das Fiasko seinen weiteren Lauf: 15 Passagiere die eh nach Bombay wollten und sich nun endlich am Ziel sahen, durften das Flugzeug nicht verlassen.  Alle 15 verliessen ohne Genehmigung das Flugzeug und verhandelten mit Air-India Repräsentanten,  jedoch ohne Erfolg. Es wäre zu aufwendig und kostenintensiv, die Gepäckstücke der Reisenden herauszusuchen. Die Flugcrew ist nach 13 Stunden Dauereinsatz inzwischen nicht mehr aufzufinden, Passagiere fangen an sich selbst in dem völlig überhitzten Flugzeug zu versorgen.

Zu guter Letzt dann doch die Erlösung für alle Beteiligten: Die Flugcrew taucht mit etwas Verpflegung wieder auf, der Pilot entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten.  Nachdem der Flieger über zwei Stunden in der Hitze von Bombay am Terminal stand, steht fest: Die Bombay-Reisenden dürfen in Bombay bleiben,  Polizeibeamten kontrollieren die Maschine auf zurückgelassenes Handgepäck und anschließend darf die Sunderbane endlich Richtung New Dehli abheben.

Quelle: spiegel.de

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